Unsere Schulgeschichte

Die Gildehauser Schulgeschichte ist der http://www.grafschafter-schulgeschichte.de/ entnommen. Wir bedanken uns bei Horst Mücke für die Freigabe!


1569 - Erste Erwähnung als Kirchspielschule; 1964 Mittelpunktschule; 1976 Grund- und Hauptschule

1569 - Die Schule Gildehaus wird erstmals in einer Kirchenrechnung erwähnt, nach der für die Schule ein neues Schloss angefertigt wurde.


1587 - Der Vikar Bernhard Rusius, der als 2. Prediger in Gildehaus tätig ist, beginnt 1583, die Gildehauser Jugend zu unterrichten. Er erhält zunächst keinen Lohn und mahnt dies 1586 an.

Am 6.2.1587 schließt die Kirchengemeinde mit ihm einen Schulkontrakt ab, in dem ihm jährlich 2 Müdde Roggen zugesagt werden. Auch in anderen  Kirchspielen war es damals gewöhnlich Sache des jüngeren Pastors, Schule zu halten. 1589 werden dann etliche Bänke für die Schule angeschafft. Das Schulgebäude stand damals wahrscheinlich unmittelbar neben der Kirche.

1656 - Mit Genehmigung des Grafen wird halbwegs zwischen Dorf und Mersch eine neue Schule an der Stelle errichtet, in der sich heute das Rathaus befindet. Zitat aus der Schulchronik: "Das Local ist ein dumpfes, trübes, feuchtes. Bei nassem Wetter steht Wasser ums Pult, und Lehrer und Schüler müssen es auf Zehen durchwaten".
Über die Geschichte dieses Gebäude in den letzten 350 Jahren als Schule, Rathaus und jetzt als Museum schrieb Heinrich Voort im "GN-Journal am Wochenende" vom 7. Oktober 2006.


1686 - Als Schulmeister wirkt Hermannus Nijhuis bis zu seinem Tode 1686. Ihm folgt sein Sohn Gerd Arnhold Nijhuis, der 50 Jahre 8 Monate bis zu seinem Tode 1736 "Schoolmeester" ist. Ihm folgt sein Sohn Adolf Nijhuis, der jedoch nach drei Jahren im Oktober 1739 stirbt.
Weitere Lehrer sind A.C. Groothuis (1740 - 1742), Bernd Eversen (1743 - 1750), Jan Heinrich Vos (bis 1783) und sein Sohn Rudolph Vos (1783  - 1818). Von ihm wird berichtet, dass er von Gerrit Zwitzers (1795 - 1805), einem ehemaligen Zimmergesellen, unterstützt wird, der dann das Amt eines Mentors übernimmt. Sein Nachfolger Hendrik Adrian Hagen (1806 - 1824) war vorher Schustergeselle.


1707 - Durch große Windstürme erleiden neben der Kirche auch die Schule große Schäden. In der Kirchenabrechnung von 1707  werden 332 Reichstaler "wegens sware posten van bouwen des Schoolhuys" ausgewiesen (H. Voort, "Imkomsten et uytgiften" Vom kirchlichen Rechnungswesen in Gildehaus, Jahrbuch 2011, S. 5)
1824 - In dieser Kirchspielschule unterrichtet ein Lehrer mit einem Gehilfen. Das Gehalt wird überwiegend durch Schulgeld aufgebracht. Für das 1. und 2. Kind sind jährlich 2 Gulden, für die nachfolgenden die Hälfte aufzubringen. Von den 2 Gulden erhält der 1. Lehrer einen Gulden 12 Stüber, der Gehilfe 6 Stüber, 2 Stüber sind Feuerungsgeld. Die Stelle ist wegen der besseren Besoldung des Lehrers begehrt. So kann bei der Neubesetzung der Stelle 1824 unter mehreren Kandidaten ausgewählt werden. Die Entscheidung fällt auf Herm Wieking. Er erhält jährlich 397 Gulden oder umgerechnet fast 159 Reichstaler. (Zum Vergleich: Der Nebenschullehrer de Leve in Bardel erhält 43 Reichstaler.) Nach einer Verbesserung des Schulwesens betragen die Einkünfte der Gildehauser Lehrerstelle später 608 Gulden.


1862 - Nach 1824 steigen die Schülerzahlen an:
1824: 192;     1834: 216;     1849: 231;     1853: 216;     1855: 233;      1863: 241.
Bis 1862 werden die Kinder in einem Raum von  zwei Lehrern (Lehrer und Gehilfe) unterrichtet. Unterrichtsgegenstände sind besonders Lesen, Schreiben und Rechnen. Großes Gewicht wird auf Schönschreiben gelegt.

Nachdem 1858 ein zweiter Lehrer und Küster gewählt worden war, wird 1861 der Auftrag zum Bau eines zweiten Schulgebäudes erteilt, das am 9.12.1862 als Rathausschule eingeweiht wird. Die im Jahre 1862 erbaute Schule - so schreibt der Chronist - ist ein stattliches Gebäude und gewährt mit ihrer aus Gildehauser Sandsteinen gebauten Fassade und dem Rathaus einen schönen Anblick. Außer dem Steine am der südwestlichen Ecke mit der Inschrift: "Gestiftet durch Ernst Wilhelm, Grafe zu Bentheim 1656" befindet sich über der Tür des Rathauses das in Sandstein ausgehauene Wappen des Fürstlichen Hauses mit der Unterschrift: "Schola seminarium piae ecclesiae et bonae rei publcae" (Die Schule ist die Grundlage für eine fromme Kirche und einen guten Staat.). Über diesem Wappen liegt ein Stein mit der Inschrift "DoCtrina LvMen" (Die Lehre ist das Licht.)


1869 - Nach dem Tode von Herm Wieking wird sein Sohn Jan Wieking der 1. Lehrer, ab 1894 Hauptlehrer. Vorher war er schon ab 1864 als Adjunktlehrer tätig.
1873 - Die Schule besuchen etwa 300 Schüler. Die dritte Lehrerstelle wird eingerichtet. Es wird der 3. Klassenraum, die Postschule - östlich der Mühlenstraße - gebaut.


1892 - Nach längeren Verhandlungen wird die Errichtung eines 4. Klassenraumes bei der Postschule mit einem 4. Lehrer beschlossen. Der Kostenvoranschlag für den 4. Klassenraum einschl. Abort beträgt 6.200 Mark. Die Einweihung erfolgt 1892.


1895 - Die Landgemeinden bitten, sie von der Unterhaltungspflicht der Gildehauser Schulgebäude zu befreien. Der Antrag wird einstimmig angenommen.


1897 - Die Rathausschule wird umgebaut. Der Unterricht für die beiden Klassen findet während des Umbaus in der Kirche und im Gemeindehaus statt.


1901 - Nachdem die Schule 1899 fünfklassig (mit 306 Schülern und 4 Lehrern) geworden ist, wird 1901 die sechste Klasse eingerichtet. Der Raum fehlt zunächst. Die Kinder werden im Konfirmandensaal unterrichtet. Hinter der sogenannten Rathausschule wird eine 5. Schulklasse mit einer Lehrerwohnung für einen alleinstehenden Lehrer gebaut. Die jungen Lehrer werden in den vorangehenden Jahren zu Militärdienstübungen  einberufen. In den letzten Jahren treten Masern besonders stark auf. Mehrere Kinder sterben daran.


1902 - Wegen der zentralen Lehrerausbildung werden häufig Junglehrer aus anderen Bezirken eingestellt, die nicht in der Tradition der holländischen und niederdeutschen Sprache aufgewachsen sind. Dies führt zu einer immer stärker werdenden Einführung der deutschen Unterrichtssprache. 1902 stellt der Hauptlehrer den Antrag, dass das Bibellesen in deutscher und nicht mehr in holländischer Sprache zu betreiben sei. Dieser Antrag wird angenommen, allerdings von einigen Mitgliedern nur schweren Herzens. Zum letzten Mal wird in der 1. Klasse, der obersten Klasse der Volksschule,  in holländischer Sprache unterrichtet.
Eine Obstbaumschule wird angelegt. Die Knaben der 1. Klasse veredeln Wildlinge.
In jedem Jahr finden Kreislehrerkonferenzen statt, zu den der Kreisschulinspektor einlädt. Die Konferenz am 17.6.1902 sieht folgende Tagesordnung vor:
1.Eröffnung durch Gebet, Gesang und Ansprache,
2.Verlesung des Protokolls,
3.Jahresbericht durch den Vorsitzenden,
4.Referat des Lehrers Kosters in Achterberg über:
Die neueren Bestrebungen auf dem Gebiet des Religionsunterrichts in methodischer Hinsicht,
5.Referat des Lehrers Peters in Wengsel:
Was kann die Schule tun, dem Überhandnehmen der Trunksucht entgegenzutreten?
6.Referat des Lehrers Volkers in Ohne über das Fürsorge-Erziehungsgesetz,
7.Referat des Lehrers Steen in Bentheim über die Bekämpfung der Tuberkulose,
8.Beratung und Beschlussfassung über Bestimmungen, die die Erteilung von Privatunterricht seitens der Lehrer regeln,
9.Bericht der Lehrmittelkommission.
Um 1 Uhr gemeinsames Mittagessen, das Gedeck zu 1,50 Mark ohne Weinzwang.
Nachmittags 3 1/2 Uhr am Bade
10.                Mitteilung und Abrechnung über die Kreislehrerbibliothek, 
11.                Mitteilungen über eingegangene Verfügungen der Behörde,
12.                Beschlussfassung über die nächste Sitzung.
Der Schulunterricht fällt am Konferenztage aus.
Die Anwesenheit der Herren Ortsschulinspektoren ist sehr erwünscht.


1906 - Aufgrund des Volksschulunterhaltungsgesetzes vom 28.7. 1906 schließen sich die Gemeinden Gildehaus und Hagelshoek zu einem Gesamtschulverband zusammen, während die übrigen Gemeinden des Kirchspiels eigene Schulen unterhalten.


1907 - Zu Beginn des Schuljahres 1907/08 besuchen 357 Schüler die Schule Gildehaus. Es stehen nur 3 Lehrer zur Verfügung, da ein Lehrer versetzt wurde und ein anderer an Bluthusten erkrankt ist. Schulrat Oppel schreibt: "Ich habe niemand zur Vertretung, wenn nicht noch ein Lehrer vom Militär wiederkehrt."
Das Grundgehalt der Lehrer wird von 1.100 auf 1.200 Mark erhöht. Die Alterszulage beträgt 160 Mark. Das Gehalt des Hauptlehrers wird auf 1.500 Mark festgesetzt.


1908 - Wegen der hohen Klassenfrequenzen kann der Schulvorstand überzeugt werden, ab Ostern 1908 eine 7. Klasse einzurichten. An das Schulgebäude beim Rathaus wird ein 6. Klassenraum angebaut.


1911 - Hauptlehrer Jan Wieking feiert das seltene Fest des 50-jährigen Amtsjubiläum. Eine Sammlung unter Freunden und Schülern des Jubilars erbringt die hohe Summe von 2.174,80 Mark. 1.500 Mark werden zu einer "Hauptlehrer Jan Wieking-Stiftung" verwendet, die vom Jubilar für eine Schüler-, Jugend- und Volksbücherei bestimmt wird. Wenige Wochen nach dem Jubiläumstage verstirbt der Hauptlehrer Jan Wieking.
1912 - Die 7. Lehrerstelle wird eingerichtet, so dass Gildehaus eine Rektorstelle bekommt, die mit F. Ohling aus Emden besetzt wird. Die Ortsschulinspektion durch die örtlichen Pastoren fällt für Gildehaus weg, da die von Rektoren geleiteten Schulen direkt dem Kreisschulinspektor unterstehen. Am Neuen Weg entsteht ein stattlicher Neubau als Doppelhaus für den Rektor und einen Lehrer.


1914 - 1918 - In den ersten Monaten des 1. Weltkrieges werden 5 Lehrer eingezogen, so dass nur noch der Rektor und eine Lehrerin für 270 Kinder zur Verfügung stehen. Nur allmählich bessern sich die Unterrichtsverhältnisse in den letzten Kriegsjahren, da Lehrer nach Verwundung wieder ihren Dienst aufnehmen können. Es müssen jedoch auch die Landschulen mit versorgt werden. Ostern 1916 lässt sich Rektor Ohling nach Wolthausen bei Emden versetzen. Sein Nachfolger wird Rektor Johannes Wagner aus Homburg, der jedoch bald darauf eingezogen wird. Die Schüler der oberen Klassen werden in starkem Maße zu häuslichen und landwirtschaftlichen Arbeiten herangezogen.


1919 - Es stehen wieder sieben Lehrkräfte für 308 Schüler zur Verfügung. An der Schule wird ein Elternrat gebildet, in den sechs Männer gewählt werden. Im Winter ergeben sich Schwierigkeiten in der Versorgung mit Kohlen, so dass nur drei Räume benutzt werden können, die mit Holz beheizt werden.
Eine ärztliche Untersuchung der Schüler ergibt, dass von 275 Kindern 91 als "schlecht ernährt und skrophulös" (Drüsenerkrankung) bezeichnet werden.


1920 - Für die beiden Oberklassen werden monatliche Tagesausflüge eingeführt. Lehrer Ernst Buermeyer (siehe: L-C-Buermeyer),  der 1919 die  Mittelschullehrerprüfung in Hannover abgelegt hat, wird zum Bürgermeister von Gildehaus gewählt.


1924 - Bis zum Sommer 1924 sinkt die Schülerzahl von 283 (1921) auf 226, um dann ab 1927 bis auf 260 (1930) wieder leicht anzusteigen. Trotz des Protestes des Elternbeirates wird die 7. Lehrerstelle gestrichen. In einer Elternversammlung wird der geteilte Unterricht gefordert. Rektor Wagner tritt "aus hygienischen, pädagogischen und wirtschaftliche Gründen" für den ungeteilten Unterricht ein. Die Versammlung entscheidet sich schließlich für den ungeteilten Unterricht. Zwei Klassen werden zusammengelegt. In jedem Jahr erfolgen größere Wanderungen und Ausflüge nach Osnabrück, Münster, Tecklenburg, Georgmarienhütte usw.


1927 - Die Schule erhält eine Konrektorstelle. Ernst Buermeyer versieht dieses Amt neben seiner Aufgabe als Bürgermeister bis 1934. Auf Veranlassung der Nationalsozialisten wird er dann nach einem Streit mit dem damaligen Kreisleiter nach Hone bei Osnabrück versetzt.


1931 - Wegen der Zunahme der Schülerzahlen wird die 7. Klasse wieder eingerichtet. Bedingt durch den Aufschwung in der Textilindustrie steigen die Schülerzahlen weiter an: 1932 auf 336, 1933 auf 353.


1935 - Rektor Wagner geht am 1.4.1935 als Schulleiter nach Dissen bei Osnabrück. Sein Nachfolger wird Hauptlehrer Alfred Kraibeck aus Veldhausen.


1936 - Es wird über die schlechte Beschaffenheit der Schulräume geklagt. Da außerdem der Schulplatz zwischen Rathaus und dem dahinter liegenden Schulgebäude zu klein ist, andererseits die Aufsicht über die in den drei  Gebäuden untergebrachten Schüler als zu beschwerlich angesehen wird, beschließt eine von der Regierung beauftragte Sachverständigenkommission den Bau einer neuen Schule am Neuen Weg neben der Post. Dieser Plan kann jedoch wegen des Krieges nicht realisiert werden.


1938 -1944 - Nachdem die Schülerzahl 1938 in Klasse 1 (7./8. Schuljahr) auf 76 angestiegen ist, beschließt der Schulvorstand die Einrichtung einer 7. Lehrerstelle. Wegen Lehrermangels kann die Stelle jedoch vorläufig nicht besetzt werden.


Im Winter 1939/1940 werden die Kohlen der Schule beschlagnahmt und an die Bevölkerung verkauft, so dass lange Kälteferien die Folge sind. 1940 wird die Klassenbezeichnung geändert: Klasse 1 = 1. Schuljahr, Klasse 2 = 2. Schuljahr usw. Ab 1941 endet das Schuljahr mit den Sommerferien.
Mit Ausbruch des Krieges verschärft sich die Personalsituation durch Einberufungen und Abordnungen, später durch Krankheiten mit Todesfolge. Die Zahl der Lehrer schmilzt auf 4, zeitweilig auf 3 (im Jahre 1943), so dass der Unterricht nur noch in den Hauptfächern erteilt werden kann. Im Herbst 1944 werden größere Truppenteile zu umfangreichen Schanzarbeiten nach Gildehaus verlegt und in den Klassenräumen untergebracht, so dass der Unterricht ausfällt.


1945 - Der Beschießung des Ortes, die den Einmarsch der alliierten Truppen Ostern 1945 begleitet, fällt das Schulgebäude hinter dem Rathaus zum Opfer. Sämtliche Lehrmittel der Schule, die hier aufbewahrt waren, werden vernichtet. Die Wiederaufnahme des Schulbetriebes am 25.10.1945 wird durch das Fehlen von Büchern und Schreibmaterial sowie die Beschränkung auf vier Klassenräume stark behindert, da für 450 Schüler Unterricht erteilt werden muss. Beginn und Ende des Schuljahres fallen wie früher auf den 1. April.


1945 - Der Beschießung des Ortes, die den Einmarsch der alliierten Truppen Ostern 1945 begleitet, fällt das Schulgebäude hinter dem Rathaus zum Opfer. Sämtliche Lehrmittel der Schule, die hier aufbewahrt waren, werden vernichtet. Die Wiederaufnahme des Schulbetriebes am 25.10.1945 wird durch das Fehlen von Büchern und Schreibmaterial sowie die Beschränkung auf vier Klassenräume stark behindert, da für 450 Schüler Unterricht erteilt werden muss. Beginn und Ende des Schuljahres fallen wie früher auf den 1. April.


1949 - Der Wiederaufbau der Schule hinter dem Rathaus wird wegen der fehlenden Materialien (Zement, Dachziegel) immer wieder verzögert. Die beiden Räume sind erst Ende 1948 und Anfang 1949 bezugsfertig. Da die Schülerzahl bis 1949 auf 535 angewachsen ist, wird bei der Regierung die achte Lehrerstelle beantragt und auch eingerichtet.
1953-1954 - Zu Beginn des Schuljahres 1953/54 müssen 10 Klassen in sechs Räumen unterrichtet werden, so dass Nachmittagsunterricht erforderlich ist. Am 25. Juni 1953 wird der Grundstein für eine dreiklassige Schule (daneben 2 Gruppenräume, Lehrerzimmer, Schulleiterzimmer) auf dem jetzigen Schulgrundstück westlich des Rathauses gelegt, die dann im November 1954 eingeweiht wird.
 
Volksschule Gildehaus 1954 - Bild: Landkreis Grafschaft Bentheim
Rektor Kraibeck tritt Ostern 1953 mit 65 Jahren in den Ruhestand, führt aber bis zur Ernennung seines Nachfolgers die Schulleitergeschäfte weiter. Dies wird ab 1.1.1954 der Mittelschullehrer August Ahrend. Da die Schülerzahl im Herbst 1953 auf 323 zurückgegangen ist, wird die 9. Lehrerstelle, die 1951 eingerichtet worden war, von der Regierung wieder eingezogen.


1955 - Im Herbst 1955 wird die Turnhalle eingeweiht. Es ist der erste Neubau eines allein für den Schulsport bestimmten Gebäudes in der Grafschaft nach dem Kriege.
Da die Schülerzahl ab 1954 unter 300 abgesunken ist, wird auch die achte Lehrerstelle eingezogen.
 
1957 - Klassenraum mit einem Durchblick zum Gruppenraum im Jahre 1957 - Bild: Landkreis Grafschaft Bentheim


1959 - Die Schülerzahl steigt wieder auf  320. Da der Lehrermangel in Niedersachsen jedoch anhält, kann die erforderliche 8. Lehrerstelle nicht besetzt werden.


1962 - Der Schulerweiterungsbau, der 1960 begonnen wurde, wird in zwei Bauabschnitten zum 1. April 1962 fertiggestellt. Die Schule verfügt jetzt über 10 moderne Unterrichtsräume.
 
Schulerweiterung Volksschule Gildehaus 1962 - Bild: Landkreis Grafschaft Bentheim
Das Gebäude der Postschule wird verkauft; die Rathausschule wird ebenfalls nicht mehr benötigt. Ab Ostern 1962 wird das 9. Schuljahr eingeführt. Es wird eine Klasse mit 39 Kindern (24 Mädchen, 15 Jungen) gebildet. 23 Kinder kommen aus Gildehaus, die übrigen aus den Nachbargemeinden. Acht Kinder werden zur Sonderschule Schüttorf überwiesen.


1963 - Südlich der Schule wird der mit großem Aufwand gebaute Sportplatz eingeweiht. Die Schule erhält offiziell den Namen "Öffentliche Volksschule für Schüler aller Bekenntnisse in Gildehaus". Sie wird von 443 Schülern besucht, von denen 406 evangelisch und 33 katholisch sind.


1964 - Ostern 1964 wird die Schule "Mittelpunktschule in verkürzter Form". Die 7. und 8. Schuljahrgänge aus Sieringhoek und Waldseite  werden nach Gildehaus umgeschult. In Gildehaus ergeben sich Probleme hinsichtlich der Raum- und Lehrerfrage. Nach Ansicht des Schulzweckverbandes kann nur die Erweiterung der Gildehauser Schule die Raumnot beheben  (Tagespost, 14.2.1964 und 11.3.1964; GN, März  u. April 1964).


1965 - Rektor Ahrend wird in den Ruhestand versetzt. Sein Nachfolger wird Jan Kortmann, der vorher Schulleiter der einklassigen Volksschule in Hestrup war (GN, 2.4.1965). Es wird die Förderstufe zunächst als Schulversuch eingeführt, in der der Unterricht in den 5. und 6. Schuljahren in Kern- und Kursunterricht gegliedert wird. Dafür entfällt der Probeunterricht, der 1955 eingeführt worden ist. Die Schüler haben die Möglichkeit, bei entsprechenden Leistungen in die Klasse 7 der weiterführenden Schulen überzugehen.


1968 - Durch die Förderstufe ist weiterer Raummangel eingetreten, so dass ab 1966 Erweiterungsbauten in zwei Bauabschnitten beschlossen werden. Außerdem wird der Umbau der Lehrerdienstwohnungen am Neuen Weg zu einem zweigeschossigen Gebäude geplant (GN, 26.3., 23.4 und 24.7.1966). Nach der Fertigstellung des Erweiterungsbaus 1968 verfügt die Schule über 24 Unterrichtsräume (GN, 7.3.1968).
Die Bilder zeigen den Schulneubau und den Treppenaufgang zum Lehrerzimmer.
 
Zum Schuljahrsbeginn verfügt die Regierung in Osnabrück gegen den Willen der Landgemeinden, dass alle Schüler der Klassen 5 - 9 aus Achterberg, Bardel, Holt und Haar, Sieringhoek und Waldseite die Mittelpunktschule in Gildehaus besuchen. Es wird ein gemeinsamer Schulzweckverband gebildet. Die Schule Gildehaus muss 73 Schüler zusätzlich aufnehmen.


1970 - Rektor Kortmann übernimmt am 1. Dezember 1969 die Leitung der Realschule Neuenhaus. Sein Nachfolger wird ab Juni 1970 Heinz Ragnitz, der davor Studienleiter an der Pädagogischen Hochschule in Osnabrück war.
Ab November 1970 beginnt ein Schulversuch mit drei Vorklassen, in denen 76 fünfjährige Kinder auf schulisches Lernen vorbereitet werden (GN, 5.2.1970). Ausweichräume werden im Gemeindehaus und im Kindergarten gefunden.


1971 - Die Schule erhält einen Schulassistenten, der in der Schule Verwaltungsaufgaben übernimmt, die technischen Geräte betreut und Aufsichtsfunktionen ausübt. 80 % der Schüler der Klasse 9 b erfüllen die Bedingungen des Deutschen Sportabzeichens. Damit liegt die Klasse an der Spitze in Niedersachsen.


1972 - Das Förderangebot der Schule wird im Grundschulbereich um die Gruppe der Schüler mit Lese-Rechtschreibschwäche (Legasthenie) erweitert. Im Mathematikunterricht der Grundschule finden Elemente der Mengenlehre Eingang. Es werden 4 Vorklassen gebildet, die weiterhin bis zur Fertigstellung einer Baumaßnahme mit 4 Klassenräumen im Gemeindehaus und im Kindergarten untergebracht werden müssen.
In einer "Volksbefragung" des Elternrates zum Thema Orientierungstufe sprechen sich 99 Prozent der Bevölkerung aus dem Einzugsbereich der Volksschule Gildehaus für die Einrichtung einer Orientierungsstufe auch in Gildehaus aus (GN, 22.7.1972). In einer Resolution spricht sich auch der Rat der Gemeinde Gildehaus einstimmig  dafür aus, dass die Landesregierung und die zuständigen Verwaltungsinstanzen die Einrichtung einer Orientierungsstufe in Gildehaus ermöglichen (GN, 28.7.1972). Die Einzelheiten sind in einem Einzelbericht "Eine Orientierungsstufe für Gildehaus" ausgeführt.

1973 - Am Nordhang des Mühlenberges entsteht eine neue dreiteilige Sporthalle. Außerdem wird der Bau eines Lehrschwimmbeckens in Angriff genommen. Nach Auflösung der Grundschule Waldseite besuchen alle Kinder aus der Gemeinde die Schule Gildehaus.


1974 - Am 1. März 1974 wird Gildehaus ein Stadtteil von Bentheim. Die Stadt Bad Bentheim wird Schulträger der Schulen in der erweiterten Stadt. Aufgrund des neuen Schulgesetzes erhalten die bisherigen Volksschulen den Namen "Grund- und Hauptschulen".
Ebenfalls zum 1. März 1974 wird der Rektor Ragnitz Schulrat in Leer/ Ostfriesland. Wegen einer Beförderungssperre verzögert sich die Wiederbesetzung der Schulleiterstelle, so dass Konrektor Fritz Ostermann zweieinhalb Jahre kommissarisch die Schulleitergeschäfte wahrnehmen muss.


1975 - Mit Ablauf des Schuljahres 1974/75 wird die Schule Holt und Haar aufgelöst. Die Schüler werden nach Gildehaus umgeschult.


1976 - Im August 1976 wird Wilhelm Goebel, bisher Lehrer in Wilsum, als Rektor der Grund- und Hauptschule Gildehaus eingeführt (GN, 27.8.1976). Die Grundschüler aus Bardel besuchen ab 1.8.1976 die Schule in Gildehaus. Die Grundschule Bardel wird aufgehoben.


1977 - Die Grundschulen in Sieringhoek und Achterberg werden mit Ablauf des Schuljahres 1976/77 aufgelöst. Die Grundschüler besuchen ab 1.8.1977 die Schule in Gildehaus. Damit sind alle kleinen Landschulen des Gildehauser Bezirks aufgehoben. Der Schulbezirk der Grund- und Hauptschule Gildehaus umfasst damit den Einzugsbereich der früheren Gemeinde Gildehaus und der jetzigen Ortsteile Achterberg, Bardel, Hagelshoek, Holt und Haar, Sieringhoek, Waldseite und Westenberg (GN, 19.6.1977).


1979 - In Bad Bentheim wird die Orientierungsstufe eingeführt. Das Bestreben, in Gildehaus die Orientierungsstufe einzuführen, blieb ohne Erfolg. Gildehaus verliert die Schuljahrgänge 5 und 6. Die Schülerzahl sinkt von 730 im Schuljahr 1977/78 auf 605 im Schuljahr 1979/80.


1983 - An der Grund- und Hauptschule Gildehaus wird die "10. Klasse an der Hauptschule" eingeführt. Einzugsbereich ist die ganze Stadt Bentheim (GN, 6.10.1982).


1984 - Nachdem der Nds. Kultusminister die vom Rat der Stadt Bad Bentheim beschlossene Auflösung der Vorklassen zum 1.8.1983 nach Diskussionen vor Ort nicht zugestimmt hat, erfolgt diese zum Schuljahresende 1983/84 (GN, 17.12.1982 und 2.6.1983). Dafür erhält Gildehaus einen Schulkindergarten, in den vom Schulbesuch zurückgestellte Kinder aus der Stadt Bad Bentheim eingewiesen werden können (GN, 11.5.1984).


1988 - 12 Schüler der Hauptschule Gildehaus erforschen im Rahmen einer Geschichts-Arbeitsgemeinschaft das Schicksal des 1944 im KZ Neuengamme gestorbenen Nazi-Gegners Heinrich Kloppers aus Gildehaus. In einem Schülerwettbewerb des Nds. Landtages zur politischen Bildung gewinnen die Schüler für diese Arbeit den 1. Preis, der ihnen im Plenarsaal des Landtags durch den Landtagspräsidenten überreicht wird (GN, 11.2. und 4.3.1989).


1990 - Die Grund- und Hauptschule wird von 270 Grundschülern und 100 Hauptschülern , zusammen 370 Schülern besucht. Die Gestaltung der Freianlagen führt mehrere Jahre zu Diskussionen. Ab 1987 erfolgen die Asphaltierung des Schulhofes, der Bau von Spielgeräten und Fahrradständern, die Gestaltung eines Forums für Veranstaltungen im Freien und die Bepflanzung des Schulgrundstücks, die schon 1973 durch die Anlage eines Grünstreifens als Lärmschutz zum Neuen Weg begonnen wurde (GN, 9.3. 1988). Im Juni 1990 werden diese Maßnahmen abgeschlossen .


1991 - In der Schule wird von den Eltern darüber beraten, ob die Schüler in einen Streik treten. Ursache ist ein permanenter Lehrermangel an der Schule. In den Grundschulklassen fehlen vier bis sechs Unterrichtsstunden pro Woche, in den Hauptschulklassen zwei bis drei Stunden. Der Lehrerbestand habe sich von 28 hauptamtlichen Lehrkräften 1985 auf 23 reduziert, obwohl die Schülerzahl gleich geblieben sei (GN, 1.2. und 9.2.1991). Nach einem Gespräch des Schulelternrates mit dem Nds. Kultusminister Wernstedt erhält Gildehaus eine "Feuerwehrlehrkraft" (GN, 1.3.1991).


1992 - Im Rahmen der 700-Jahr-Feier von Gildehaus präsentieren Schüler der 9. Klassen Themen aus der Ortsgeschichte, die sie im Rahmen eines Projektes erarbeitet haben. Dazu haben sie Ausgrabungen vorgenommen, alte Gildehauser befragt und in Archiven geblättert. Es sind folgende Themen, die an einem Tag der Offenen Tür vorgestellt und von den Schülern erläutert werden: "Kohlen- und Steinhandel" - "Mühlen in Gildehaus" - "Jüdische Bürger in Gildehaus" - "Gemeindereform 1974" - "Wird Gildehaus benachteiligt?" - "Der Bundesbahnhof in Waldseite" - "Wer war Ernst Buermeyer?" - "Jugend im Weltkrieg" - "Die Burg von Gildehaus" - "Ur- und Frühgeschichte/G-Ötzi" - "Häuser und Straßen in Gildehaus/ Neuer Weg" - "Schulen in Gildehaus" - "Alltagsleben im 3. Reich" - "Das Gebäude der evangelich-reformierten Kirche" (GN, 8.8. und 11.9.1992). Der Elternrat fürchtet um den Bestand der Hauptschule, da viele Schüler mit Hauptschulempfehlung nach der Orientierungsstufe zur Realschule angemeldet werden. Der 7. Schuljahrgang hat nicht die erforderliche Klassenstärke erreicht. Durch die beabsichtigte Einrichtung einer IGS in Nordhorn werden weitere Abwanderungen befürchtet (GN, 5.11.1992),


1995 - In einem Gutachten zur Entwicklung und zum Raumbedarf der Schulen in Bad Bentheim wird empfohlen, die beiden Hauptschulen an ihren Standorten in Bad Bentheim und in Gildehaus zu belassen und sie nicht in Gildehaus zu vereinigen, da hierdurch Raumprobleme, aber auch verstärkt Disziplinprobleme auftreten würden (GN, 24.5.1995).
Die Eltern aus dem Elternverein der Grundschule Gildehaus haben in einer umfangreichen Aktion attraktive Pausenangebote für die Kinder geschaffen, Der Raum für die "Aktive Pause" enthält eine umfangreiche Sammlung unterschiedlicher Spielgeräte. Die Organisation übernehmen die Schüler der 4. Klassen (GN, 7.12.1995).


1997 - Nach 21 Jahren wird Rektor Hans-Wilhelm Goebel zum Schuljahresende 1996/97 in den Ruhestand verabschiedet (GN, 5.9.1998). Konrektor Fritz Niemeyer übernimmt die kommissarische Schulleitung bis zu seiner Einsetzung als Rektor der Schule im September 1998 (GN, 5.9.1998).
Die Fortsetzung über die Jahre 1998 bis 2012 finden Sie unter: Die Ära Niemeyer

2012 - Wechsel in der Schulleitung
Der Rektor der Grund- und Hauptschule Gildehaus, Fritz Niemeyer, wird am 19. Juli 2012 im Rahmen eines Festaktes in den Ruhestand verabschiedet. Damit endet seine Tätigkeit in Gildehaus ab 1995 als Konrektor und ab 1998 als Schulleiter nach 17 Jahren. Sein Nachfolger wird Wolfgang Lüders, der seit 1984 Lehrer an der Grund- und Hauptschule Gildehaus und seit 1998 Schulleiter der Hauptschule Schüttorf war.